bat germany - Verpackung



FAQs

 

Question

Steigern Schockfotos die Aufklärungsrate über mit dem Rauchen verbundene Gesundheitsrisiken?

Answer

Eine gesteigerte Wirksamkeit von Bildwarnhinweisen im Vergleich zu Textwarnhinweisen ist nicht belegt. Deutschland hat sich bisher gegen eine Einführung von Schockfotos ausgesprochen. Hierzulande lässt sich dabei eine besondere Entwicklung beobachten: Die Quote jugendlicher Raucher geht kontinuierlich zurück, auch ohne die Verwendung von Schockfotos. Im Jahr 2011 lag die Quote bei einem historischen Tiefstand von 11,7 %, im Jahr 2001 lag diese noch bei 27 %. Diese Erfolgsgeschichte zeigt, dass die bereits durchgeführten Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen schon heute ihre Ziele erreichen – Jugendschutz und Gesundheitsschutz.

Ein Vergleich mit anderen EU-Staaten veranschaulicht die gute Präventionsarbeit in Deutschland: In Belgien liegt der Anteil der Raucher an der Bevölkerung höher als in Deutschland (27 % im Vergleich zu 26 %). In Frankreich liegt die Quote bei 28 % – obwohl in beiden Ländern ein umfassendes Werbeverbot und der Aufdruck von Bildwarnhinweisen auf Zigarettenpackungen vor Jahren eingeführt wurden. In Großbritannien, das ebenfalls dieselben Maßnahmen umgesetzt hat, liegt das Einstiegsalter bei jugendlichen Rauchern durchschnittlich höher als in Deutschland: hierzulande haben nur 17 % der unter 15-Jährigen schon einmal geraucht, in Großbritannien hingegen 28 %. Großbritannien liegt weit über dem EU-Durchschnitt von 17 %.

In Deutschland dürfte es kaum einen Bürger geben, der noch nicht über die mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsgefahren informiert ist. Diese Einschätzung teilte das Oberlandesgericht Hamm bereits 2004. Die Gesundheitsrisiken durch den Tabakkonsum müssen ohne Frage aufgezeigt werden, aber die Entscheidung, sich diesen auszusetzen, muss letztendlich beim Konsumenten bleiben. Das gilt nicht nur für Tabakprodukte.

Quellen

Oberlandesgericht Hamm, Beschluss vom 14.07.2004 – 3 U 16/04

Lars-Eric Petersen und Falk Lieder, The Effectiveness of Written and Graphic Health Warnings on Cigarette Packs: An Examination of the Revised Model of Protection Motivation, Universität Halle-Wittenberg. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 37 (4), S. 245–258, (2006).

Special Eurobarometer 385, Attitudes of Europeans towards tobacco, (Mai 2012).

Bundesdrogenbeauftragte: Drogen- und Suchtbericht, (2012).

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Der Tabakkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010“, (Februar 2011).

Deloitte: Tobacco packaging regulation – an international Assessment of the intended and unintended impacts, (Mai 2011).

Gospondinov, Nikolay & Irvine, Ian J.: Global health Warnings on Tobacco Packaging: Evidence from the Canadian Experiment, Economic Analysis and Policy, Volume 4, Issue 1, Article 30, (2004).


 

Question

Wird die Einführung von Schockfotos die Gesamtnachfrage nach Tabakprodukten reduzieren?

Answer

Eine vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Studie über die Effektivität von Bildwarnhinweisen aus dem Jahr 2007 kommt zu dem Ergebnis, dass eine direkte und unmittelbare Wirksamkeit von Bildwarnhinweisen (Schockfotos) auf das Rauchverhalten und eine Reduzierung der Raucherquote nicht nachgewiesen werden kann.

Auch für die Länder, in denen Bildwarnhinweise (und komplette Werbeverbote) bereits angewendet werden, gibt es keine Belege, dass diese nachhaltig Verbraucher vom Tabakkonsum abhalten. Laut Eurobarometer der EU-Kommission liegen die Raucherquoten trotzdem höher als in Deutschland, wo keine der beiden Maßnahmen bisher eingeführt wurde. Zum Beispiel rauchen in Irland 29 % der Bevölkerung, in Deutschland nur 26 %. Die Raucherquote in der Altersgruppe 15 – 24 liegt offiziellen Quellen zufolge in Irland sogar bei 39 %, in Deutschland nur bei 28 %. In anderen Ländern unterscheiden sich die Quoten kaum von der in Deutschland: In Belgien liegt sie bei 27 %, in Großbritannien bei 27 %, in Frankreich bei 28%.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung offenbart zudem, dass in Ländern mit den umfangreichsten Verboten trotz Einführung dieser Maßnahmen keinerlei Veränderung im Rauchverhalten erreicht werden konnte: In Irland lag die Raucherquote in 2007 auch schon bei 29 %, womit also keine Senkung zur heutigen Situation festgestellt werden kann. In Deutschland ist hingegen eine deutliche Verringerung erkennbar – von 30 % auf 26 %. Von einem messbaren Erfolg der Präsentations- und Auslageverbote kann also keine Rede sein. Diese Länderbeispiele unterstreichen die Richtigkeit der Einschätzung der vom Bundesgesundheitsministerium beauftragten Studie.

Quellen

Studie des Instituts für Therapieforschung, namentlich Bühler, Metz, Kröger: Literaturauswertung zur Wirksamkeit von Warnhinweisen auf Cigarettenpackungen, Reihe IFT-Berichte Band Nr. 166, (2007).

Special Eurobarometer 385, Attitudes of Europeans towards tobacco, (Mai 2012).

Special Eurobarometer 272c, Attitudes of Europeans towards tobacco, (Mai 2007).

Bundesdrogenbeauftragte: Drogen- und Suchtbericht, (2012).

Gjalt-Jorn Ygram Peters, Robert A.C. Ruiter und Gerjo Kok: Threatening communication: a critical re-analysis and a revised meta-analytic test of fear appeal theory. Work & Social Psychology, Faculty of Psychology & Neuroscience, Maastricht University, (2012).


 

Question

Sind größere Warnhinweise auf Zigarettenverpackungen effektiver als die aktuellen?

Answer

Eine gesteigerte Verbraucherinformation ist von vergrößerten Textwarnhinweisen nicht zu erwarten. Bereits jetzt gibt es innerhalb der EU verschiedene Größen für Warnhinweise. In Belgien müssen die Warnhinweise beispielsweise schon heute mehr als 40 % der Vorder- und 60 % der Rückseite einnehmen; zudem sind Bildwarnhinweise vorgeschrieben. Dennoch ist in Belgien im Vergleich zu Deutschland keine höhere Wirksamkeit der Warnhinweise belegt. Dort liegt der Anteil der Raucher an der Bevölkerung minimal höher als in Deutschland (27 % im Vergleich zu 26 %). Siehe auch die Antwort auf die Frage „Wird die Einführung von Schockfotos die Gesamtnachfrage nach Tabakprodukten reduzieren?

Quellen

Bundesdrogenbeauftragte: Drogen- und Suchtbericht, (2012).

Special Eurobarometer 385, Attitudes of Europeans towards tobacco, (Mai 2012).


 

Question

Wird durch Plain Packaging die Sichtbarkeit und Effektivität der Warnhinweise erhöht und somit der Tabakkonsum reduziert?

Answer

Es liegen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, dass die Kombination von Einheitsverpackungen und Bildwarnhinweisen einen messbaren Effekt auf das Konsumverhalten von Rauchern hat. Text- und Bildwarnhinweise auf Zigarettenpackungen sollen den Konsumenten über die mit dem Rauchen verbundenen Risiken aufklären. Bisher durchgeführte Studien, die die Effektivität von Warnhinweisen untersuchten, konnten jedoch keinen signifikanten Konsumrückgang feststellen. Legt man Erfahrungswerte aus Ländern zugrunde, die Schockfotos eingeführt haben, zeigt sich, dass weder der Gesamtkonsum signifikant abgenommen noch die Aufklärungsraten zugenommen haben.
Siehe hierzu die Frage „Steigern Schockfotos die Aufklärungsrate über mit dem Rauchen verbundene Gesundheitsrisiken?


 

Question

Wird durch die Einführung von Plain Packaging die Gesamtnachfrage nach Tabak reduziert?

Answer

Die Annahme, dass Plain Packaging die Attraktivität des Tabakprodukts reduziert, kann bislang nicht bestätigt werden. Es wird hier unterstellt, dass die Packung der ausschlaggebende Faktor für das Rauchverhalten eines Konsumenten ist. Diese These ist allerdings falsch: Die Grundbedeutung einer Marke und der Verpackungen eines Produktes werden an dieser Stelle verkannt. Verpackungen und Marken dienen bei jedem Produkt dazu, den Konsumenten über das jeweilige Produkt zu informieren und sich von anderen Produkten in der gleichen Produktkategorie zu unterscheiden. Marken sind vor allem wichtig, weil sie den Kunden gleichbleibende Produkt- und Qualitätsstandards garantieren. Die Marke braucht wiederum eine Verpackung, um diese Informationen zu vermitteln.


 

Question

Haben standardisierte Verpackungen Auswirkungen auf die Preise von Tabakwaren?

Answer

Durch standardisierte Verpackungen wird der Preis zum ausschlaggebenden Auswahlkriterium für den Konsumenten. Denn wenn die Packung nicht mehr eindeutig auf eine Marke hinweist, lassen sich über die Marke selbst die Produkte nicht mehr differenzieren. Die Verpackung kann nicht mehr über das Produkt informieren, und das Produkt selbst kann nicht mehr von anderen Marken unterschieden werden. Ohne starke Marken kann kein Premium-Segment existieren. Der Konsum von Tabakwaren wird sich hin zu „Billigprodukten“ verschieben und viele Marken werden aus dem Sortiment verschwinden: die Marke verliert ihr Alleinstellungsmerkmal und damit ihren Wert.

Wenn die Konsumvielfalt durch eine Reduzierung der Produktauswahl derart begrenzt wird, fällt der Verbraucher seine Kaufentscheidung auf Basis des Preises. Ein Preiskampf um die ohnehin geringer werdende Gruppe der Raucher ist die Folge. Dadurch sinken die Zigarettenpreise und sie werden leichter zugänglich für preissensible Gruppen, wie zum Beispiel Menschen mit geringem Einkommen. Gesundheitspolitische Ziele werden so konterkariert, denn Präventionsmaßnahmen und Steuererhöhungen richten sich gerade an diese preissensible Gruppe.

Der Schwarzmarkt wird von der Einführung von standardisierten Verpackungen profitieren. Denn er kann nicht nur billigere Zigaretten als der legale Markt anbieten, sondern auch die Produkte, die der Kunde kennt und wünscht. Statt standardisierter Verpackungen werden dann für den Schwarzmarkt die bisherigen Packungen gefälscht oder illegal aus anderen Märkten beschafft. Weder Verbraucher- noch Produktstandards sind dabei gewährleistet und dem gesundheitspolitischen Ziel wird entgegengewirkt.

Quelle

London Economics: The Role of Packaging Imagery on Consumer Preferences for experience goods – A consumer behavioural experiment, S. 13 ff. (2012).


Letzte Aktualisierung der Seite: 04/09/2014 15:05:10 GMT